Quilmes

20. Januar 2007 | 27. und letzter Tag

1:1 gegen Holland
1:1 gegen Holland 

An unserem letzten Tag in Südamerika gab der Wettergott sein Bestes: strahlendes Himmelblau und 29 Grad, so wie wir es in den vergangenen 26 Tagen gerne öfters gehabt hätten.

Für die Zeit zwischen Auschecken aus dem Hotel um 12 Uhr und dem Start des Fliegers um 22.35 Uhr sah unser Programm den Besuch des Hockeyklassikers Deutschland gegen Holland vor.

 

Die Champions Trophy der Damen fand in Quilmes statt, einer Vorstadt von Buenos Aires, die eigentlich jeder kennt, denn eines der besten Biere Argentiniens kommt hierher und heißt auch so, nämlich QUILMES.

Nicht jeder kennt allerdings das Stadion von Quilmes und unser Taxifahrer wurde kreuz und quer durch die Stadt geschickt ehe wir schließlich zum Stadion gelangten, welches meiner Einschätzung nach geradeaus in unserer Hauptfahrrichtung gelegen wäre. Erstaunlich, dass uns niemand den Weg richtig sagen konnte, den Fußball ist in Argentinien Religion und Sprache. Wir hatten allerdings das Taxi auch nicht nach Kompetenz des Fahrers ausgesucht, sondern wir wollten unbedingt einen Peugeot 504 haben. Und das hat man dann davon.

Hockey ist in Argentinien Mädchensport, die Damennationalmannschaft außerordentlich bekannt und gefeiert. Das Publikum entspricht ungefähr dem eines No-Angels-Konzerts. Der deutsche Fanblock bestand aus drei Zivis aus Süddeutschland sowie aus Torsten und mir. Wusstet Ihr, dass man in Argentinien Zivildienst machen kann?

Ich würde nicht unbedingt behaupten, dass unsere Anfeuerungsgesänge besonders schön waren, aber laut waren sie und zumindest haben wir die deutsche Mannschaft zum 1:1 Ausgleich bewegen können. Dafür haben sich anschließend Spieler und Trainer persönlich bei uns bedankt und mich im Mannschaftsbus nach BA mit zurückgenommen.

Zu guter Letzt haben wir noch bei MUSIMUNDO vorbeigeschaut, den CDs sind in Argentinien richtigt günstig, d.h umgerechnet zwischen 5 und 10 Euro. Punkt 8 Uhr steigen wir ins Taxi zum Flughafen. Die Sonne geht unter, der Himmel färbt sich bläulich-gelblich, die Lichter in Buenos Aires gehen an. An jeder Ampel, an jeder Mautstation schaun wir uns an: jetzt könnten wir noch umkehren.

CABJ

19. Januar 2007 | Tag 26

La Bombonera
La Bombonera 
Peter La Volpe
Peter La Volpe 

Unsere letzten Tage in Südamerika sollen dem Sport gehören. Wir begeben uns mit dem Taxi in den Vorort La Boca, in dem – mitten im Wohngebiet – das Stadion des Club Atletico Boca Juniors liegt, einem der beiden großen Fußballclubs von Buenos Aires (der zweite ist River Plate). Boca Juniors ist der Club der Arbeiter und Immigranten und das traditionsreiche Stadion kann mitsamt eines Museums besichtigt werden. Das kostet 20 Dollar pro Person und dafür darf man nicht nur ins Stadion sondern auch in den Presseraum und in die Kabine der Heimmannschaft. Alles ist ziemlich abgewanzt weil gerade Pause ist und erst wieder alles angestrichen werden muss.

Für die nächste Versteigerung habe ich zwei Original-Boca-Mützen erworben, die von Diego Armando Maradonas fast persönlich bestickt wurden, garantiert aber ihr Erdendasein im Schatten des Stadions verbracht haben.

Weils in La Boca so reizend war, sind wir zu Fuß durch San Telmo ins Stadtzentrum zurückgewandert und haben bei der Gelegenheit die deutschen Hockeydamen in deren Luxushotel besucht und den Dachpool inspiziert. Fanny ist nicht mehr in BA sondern wurde bereits vor ein paar Tagen in Deutschland am Daumen operiert. Gute Besserung von hier aus. Morgen fahren wir nach Quilmes, um den Sieg der Deutschen gegen Holland zu feiern.

Denisse und Rafael

17. Januar 2007 | Tag 24

 

Einer der Hauptgründe, warum ich ausgerechnet nach Bolivien fahren wollte, sind meine beiden Patenkinder Denisse und Rafael, die ich über World Vision seit ein paar Jahren unterstütze.

Heute war der große Kennenlerntag, ein schwieriges Ereignis für alle Beteiligten. Für die Kinder sowieso, für die Eltern, die World Vision Leute und auch für mich. Es ist schon mal schwer, mit einem Kind zu kommunizieren, wenn man nicht gut spanisch spricht, aber mit zweien ist es erst recht kompliziert. Während Denisse und ihre Eltern noch ganz aufgeschlossen waren, war Rafael sehr schüchtern. Nach ein wenig Eingewöhnungszeit ging’s dann aber doch ganz gut und ich konnte eine Menge erzählen – über Deutschland und wie ich dort lebe, und natürlich auch einiges erfahren. Geholfen hat uns Jimena Jimenez von World Vision, die in englisch übersetzt hat.

Ein Aha-Erlebnis war das Mittagessen, zu dem wir vom Projekt in die Stadtmitte zurückfuhren. Das fand in einem Lokal mit Mittagsbuffet statt und der Preis pro Person war 13 Bolivianos, das sind ungefähr 1,30 Euro. Vor allem Rafael und seine Mutter, die in noch ärmeren Verhältnissen leben als Denisse, haben die Teller mächtig vollgehäuft, schnell gegessen und sich dann noch mal einen kräftigen Nachschlag geholt. Das haut einen um , wenn man sieht, wie Menschen sich über einen vollen Teller mit Fleisch freuen können.

Highlight des Nachmittags war der Besuch im Zoo von Santa Cruz, ein für die Kinder normalerweise nicht erschwingliches Erlebnis. Spätestens da war auch Rafael aufgetaut und schaut auf den Fotos auch mal entspannter aus.

Das Projekt heißt „Los Chacos“ und das ist ein Vorort von Santa Cruz. Was es heißt, dass in der Regenzeit manchmal Straßen unpassierbar sein können, haben wir heute auch „erfahren“. Das Taxi musste immer wieder durch vielleicht 30 cm tiefe und viele Meter lange Pfützen fahren und ich hatte schwerste Bedenken, dass wir absaufen könnten. Allerdings war das Auto auch eine ziemliche Schrottkarre, wie ich es selbst in Bolivien bis dahin noch nicht erlebt hatte.



Rafael Prado Llanto
Rafael Prado Llanto 
Denisse Saucedo Claure
Denisse Saucedo Claure 

Es ist hier immer noch feucht-schwül, die ersten Moskitos haben uns erwischt und ich freue mich auf unseren letzten Stop in Buenos Aires, wohin uns am Donnerstag um 14.20 Uhr die Aerolineas Argentina bringen wird.

Bis dahin – hasta luego.

Santa Cruz

16. Januar 2007 Tag 23

Vom hoechsten Flughafen der Welt, El Alto, sind wir heute Mittag puenktlich um 12.20 Uhr gestartet um ca. 50 Minuten spaeter in Santa Cruz de la Sierra zu landen - das liegt 400 Meter hoch. Ich hatte ein wenig ein mulmiges Gefuehl - so wie vor meiner ersten Bobfahrt - denn man steigt nicht jeden Tag in ein bolivianisches Flugzeug, aber bis auf ein paar heftige Wackler ging alles bestens.

Santa Cruz ist im Gegensatz zu La Paz schwuel-warm, die Wolken haengen bis in die Turmspitzen der Stadt. Wir waren heute Nachmittag bei Buero von World Vision, um den Besuch bei meinen beiden Patenkindern morgen zu besprechen. May God bless you, wie man da gerne sagt.

Titicaca

15. Januar 2007 | Tag 22

Der Titicacasee von der Isla del Sol
Der Titicacasee von der Isla del Sol 

Endlich: der Titicacasee. Eine sehr schöne Bus-/Schiffsreise von ca. 15 Stunden, die fast scheiterte: Der Bus sollte uns um 5.15 Uhr in der Früh abholen, der Wecker zeigt aber 5.17 Uhr als Torsten aufwacht und feststellt, dass der Handywecker nicht geklingelt hat. Innerhalb von 10 Minuten packen wir unsere Sachen (inzwischen können wir das im Schlaf - Wortspielalarm) und hechten in die Lobby. Vor dem Hotel wartet tatsächlich ein Riesenbus. Völlig leer. Zum Glück mit Fast-Liegesitzen und unsere Reise kann doch noch losgehen.

Wir haben den Trip bei TRANSTURIN gebucht, einem bolivianischen Reiseveranstalter der auf dem See 4 Katamarane liegen hat (sowie ein Papyrusboot) und eine Menge Busse besitzt. Transturin ist gut im internationalen Geschäft weshalb wir auf der Fahrt zur Isla del Sol ein paar Brasilianer mitnehmen, die von der Insel aus weiter nach Peru reisen. Auf dem Rückweg steigt dafür eine deutsche Reisegruppe zu, die in 16 Tagen durch Südamerika reist. Die meisten sehen schon mitgenommen aus.

Titicacasee: die Fahrt zur Insel dauert 3 Stunden. Es ist ziemlich bewölkt, daher ist der See grau und wenig spektakulär. Es regnet wenigstens nicht und mild ist es auch. Die Isla del Sol ist die Wiege der Inkas und es gibt noch ein paar historische Stätten, aber hauptsächlich gibt es dort ca. 4000 Aymara-Indianer, die auch gemerkt haben, dass man von Touristen was abziehen kann. So überfallen uns schon am Bootssteg die Kinder und wollen Bänder etc. verkaufen, an jeder Ecke steht ein putziges Mädchen mit einem noch kleineren Balg oder einem Lama und lässt sich fotografieren. gegen Asche versteht sich. Und wenn man nicht mindestens ein, zwei Bolivianos gibt, dann ist aber Zirkus.

Unser Guide macht mit uns einen schönen Spaziergang über die Insel. Transturin hat in der Nähe des Hafens eine Art "Living History"-Bereich eingerichtet. Dort gibt es ein Museum zur Geschichte der Tiwanaku- und Inkakultur. Außerdem hat man alle paar Meter einen Aymaraindianer hingesetzt, der, wenn wir uns nähern, anfängt ein Schilfboot zu kloppen, ein Beet umzugraben, zu weben usw. Als Höhepunkt gibt es eine Zeremonie mit einem Schamanen der uns anschließend weiht, indem er uns mit einem Feudel Wasser über den Kopf spritzt. Leider kann er mit senem Zirkus nicht verhindern, dass gleichzeitig unsere beiden Kameras streiken, weshalb es davon keine Bilder gibt (aber wir haben eine Urkunde).

Unser Katamaran
Unser Katamaran 
Zwei Bolivianos (kostet dieses Bild)
Zwei Bolivianos (kostet dieses Bild) 
Wetter

14. Januar | Tag 21

 
 

Der gute Aspekt am Wetter ist, dass ich das rot auf meiner Birne etwas reduzieren kann. Es hat bisher jeden Tag geregnet, gestern den ganzen Morgen, heute eigentlich den ganzen Tag. Wir sitzen hier also fest, zum Glück haben wir ein gutes Hotel, in dem man's aushalten kann. Bisher haben wir auf unserer Reise wenig bis nicht ferngesehen, aber jetzt können wir die Spiele der deutschen Mannschaft bei der Hockey-Championstrophy in Buenos Aires live verfolgen. Leider gab's bisher zwei Niederlagen und Fanny hat sich den Daumen gebrochen und es ist noch offen, ob sie vorzeitig abreisen muss.

Der zweite Aspekt des schlechten Wetters ist, dass ich Zeit habe, ein paar Betrachtungen zu La Paz anzustellen. Heute haben eine archäologische Stätte besucht und dabei konnten wir die Stadt vom oberen Rand der Schlucht, in der sie liegt, sehen. Alles in La Paz stürzt sich vom Altiplano 1000 Meter tief in die Schlucht: Häuser, Straßen, Autos, Menschen. Ein einzigartiges Chaos von Lärm und Gestank. Gestank von den Abgasen der Autos. Das ist das, was uns am meisten belästigt und unerträglich ist. Dass rote Ampeln oder Geschwindigkeitsbegrenzungen eher eine Empfehlung als ein Gebot darstellen, naja, da gewöhnt man sich dran. Dass an vielen Ampel ein Polizist oder meist eine Polizistin steht, der/die die Ampel manuell schaltet, ist noch lustig, dass aber da, wo eine Regelung notwendig wäre, niemand steht oder nicht eingreift, ist lästig. Deshalb wird ausdauernd gehupt, was uns inzwischen auch auf den Keks geht. Fußgänger, die über die Straße wollen, rennen um ihr Leben.

Topographisch ist La Paz sicherlich eine der interessantesten Städte, die wir gesehen haben, gleichzeitig ist es aber im Detail überhaupt keine Metropole sondern eng und unübersichtlich, laut und hektisch..

Morgen geht's um 4.30 Uhr los an den Titicaca-See (in der Hoffnung auf gutes Wetter), am Dienstag endlich nach Santa Cruz, wo es dann wieder 30 Grad haben soll.

Politik

12. Januar 2007 | Tag 19

Bevor wir unsere Stadterkundung starten, müssen wir esrt ausbügeln, was die bolivianische Politik uns eingebrockt hat. In Cochabamba, unserem eigentlichen nächsten Ziel, hauen sich die Anhänger von Evo Morales und der Oppostion die Köpfe ein. Das können wir nicht brauchen und buchen deshalb einen Flug für Dienstag direkt nach Santa Cruz. Das heißt, wir müssen von La Paz aus unsere Unternehmungen planen.

Zimmer mit Aussicht
Zimmer mit Aussicht 

Wie schon erwähnt wohnen wir ganz passabel, um nicht zu sagen: luxuriös, weshalb uns das Hierbleiben nicht zu hart trifft. Links seht ihr den Blick aus einem unserer 4 Fenster und man kann ganz gut sehen, wie sich La Paz in einer Schlucht festkrallt. Allerdings sind wir hier in einem Vorort, einer der besseren Gegenden.

Immer bergauf, immer voll
Immer bergauf, immer voll 

Wenn wir ins Stadtzentrum fahren, und das machen wir mit einem Taxi für umgerechnet 1,20 EUR in 15 Minuten, dann fahren wir immer bergauf. Zu Fuß wäre es zu weit und bei den Strecken, die wir dann gehen, japsen wir ziemlich, denn erstens ist es steil und zweitens merken wir die Höhen von 3600 m immer noch. Der Verkehr ist chaotisch, Fußgänger haben immer verloren und die Abgase stinken erbärmlich. Daran gewönt man sich nicht. Im Gegenteil.

Das Stadtbild ist geprägt von Indiofrauen mit Melone aufm Kopp und von Polizei. Wir vermuten, dass Evo "Pullover" Morales wegen der Unruhen etwas nervös ist und seine Leute schonmal auf die Straße schickt.

Das Preisniveau ist für unsere Verhältnisse fantastisch, ich schätze mal ein Drittel bis die Hälfte dessen, was wir gewohnt sind. Das Flugticket nach Santa Cruz kostet z.B. 75 Euro, ein Bier (Huari oder Paceña) ca. 1 Euro bis 1,20 Euro, allerdings im eher teuren Hotelrestaurant.

La Paz, Zentrum
La Paz, Zentrum 
Die Mädels von der Polizei
Die Mädels von der Polizei 
La Paz

11. Januar 2007 | immer noch Tag 18

Pullman-Bus nach La Paz
Pullman-Bus nach La Paz 
Stehen so echt an jeder Ecke
Stehen so echt an jeder Ecke 

Nach 8 Stunden Busfahrt – wieder über den Altiplano am Lago Chungara vorbei – sind wir in der Hölle des Zentralen Busterminals gelandet, übrigens auf die Minute zur vorher angekündigten Zeit. Zum Glück hat uns das Hotel den netten Herrn Rodriguez mitsamt seinem Taxi geschickt, welcher uns in einer halbstündigen Fahrt, immer den Berg runter, in unser Super-Luxus-Hotel gebracht hat (2 Räume, Küche, Bad, Kühlschrank, 2 Fernseher, ausreichend Schränke, eine Mikrowelle etc.). Und gleich kam ein junger Mann, von dem Torsten meint, er wäre Inder, der aber Bolivianer ist, und stöpselt den Mac ans Internet und verbindet uns mit der Welt.

Chungara

11. Januar 2007 | Tag 18

Schlechtes Wetter am Lago Chungara
Schlechtes Wetter am Lago Chungara 
 

Der Lago Chungara ist so was wie mein persönliches Waterloo. 1991 war ich zum ersten Mal da, aber ich konnte den Ausflug nicht wirklich genießen. Der Lago Chungara liegt nämlich 4500 m über dem Meer. Und damit auch 4500 m höher als Arica. Denn von dort fuhr ich damals innerhalb eines Vormittags auf diese Höhe und seither kann ich beim Thema Höhenkrankheit sehr gut mitreden.

Diese Niederlage wollte ich wettmachen und dies ist Torsten und mir bestens gelungen. Allerdings ist dies auch einer guten Vorbereitung geschuldet, denn wir waren vorher mehrere Tage auf Höhen über 2300 m, einmal sogar auf 4300 m. Damit sind wir auch gut gerüstet für die Fahrt nach La Paz, die wir am Donnerstag mit dem Bus machen werden und die ebenfalls am Lago Chungara vorbeiführen wird.

Was nicht so toll ist: das Wetter. Auf dem Altiplano ist Regenzeit und hatten wir auf der Hinfahrt zum See noch einigermaßen gute Bedingungen, so gerieten wir auf der Rückfahrt in Regen und Gewitter, schließlich in dichten Nebel, was das Überholen der bolivianischen Trucks außerordentlich erschwerte. Die fahren zum Teil mit 15 bis 20 km/h den Berg hinab.

Auch in Arica, die Stadt, deren Regenstatistik für jeden Monat des Jahres eine 0 ausweist, ist das Wetter zwar warm, aber meist bedeckt und windig. Vorgestern Nacht hat es gar etwas geregnet! Wir lassen uns davon nicht beirren, verbrennen uns trotzdem Arme oder Gesicht, denn in Bolivien wird es erstmal Schluss mit lustig sein. Deshalb haben wir mit dem Casa Grande vorsichtshalber ein 4-Sterne-Hotel gebucht.

Auf bald aus Bolivien.

Ruta 5
Die Ruta 5 (Panamericana)
Die Ruta 5 (Panamericana) 

8. Januar 2007 | Tag 15

Heute schreibe ich aus Arica, der nördlichsten Stadt Chiles. Hier sind wir am Sonntag abend, von Iquique kommend, im Azapa Inn Hotel gelandet, das nach dem Tal benannt ist, in dem es liegt.

Ich will heute ein paar Worte über unsere Fahrt durch die Atacama auf der Panamericana oder Ruta 5 verlieren.

Von Iquique geht es gleich bergauf, die Küstenkordillere hoch, durch Sanddünen auf über 1000 Meter über dem Meer, bis man die Hochebene der Atacama erreicht. Die Atacama ist die trockenste Wüste der Erde und am Tag zuvor hatten wir mit Quillagua den trockensten Ort der Erde passiert. Bevor wir uns aber endgültig auf der Ruta 5 nach Norden aufmachten, besuchten wir die 1960 stillgelegte Salpetermine „Humberstone“. Entlang der Straße nach Norden finden sich ca.140 dieser stillgelegten Anlagen.

Die Straße geht meist geradeaus, links und rechts nur Sand und Hügel, aber dennoch verändert sich die Landschaft dauernd. Die gewohnte Empfindung von Entfernungen und Geschwindigkeit ist nichts mehr wert, der Blick geht viele Kilometer geradeaus, die Fahrbahn löst sich auf, Fahrzeuge kommen uns minutenlang entgegen. Das Wetter ist diesig bedeckt, dabei ist der Sand glühend heiß und es weht ein starker Wind. Über der Ebene wirbeln dutzende Minitornados den Staub auf. Unvermittelt tauchen riesige Schluchten auf, über 1000 m tief, die Abfahrt geht über 20 km bis zur Talsohle, danach wieder 20 km bergauf. Im Tal selbst ist kein Radioprogramm zu empfangen, das ansonsten meist aus chilenischen Schlagern oder aus konzentriertem 80er-Jahre-Pop besteht. Unsere Theorie dazu ist, dass die GEMA-Gebühren für diese alten Kamellen günstiger sind und die Radiostationen Geld sparen wollen.

Noch plötzlicher als die Schluchten tun sich gewaltige Schlaglöcher in der Fahrbahn auf, in die man im schlechtesten Fall mit Karacho rein rauscht. Kommt eine Baustelle, dann kann es passieren, dass man 20 Minuten warten muss, bis der Gegenverkehr durch ist – oder dass man 10 km auf einer staubigen Holperpiste mit 40 km/h abseits der Piste fahren muss.

Alles in allem ein großartiges Erlebnis. Noch großartiger ist unser Hotel mit einem großen Pool und Garten darum und jeder Menge Hühner. Echte Hühner meine ich jetzt. Und Pfauen. Sieht nett aus, aber die Gockel machen ab 5 Uhr früh eine Menge Lärm und Torsten entwickelt fiese Fantasien von ambulanten Stimmbandoperationen.

Die Sonne ist noch fieser als Torstens Fantasien und wir haben beschlossen, hier einen Tag zu verlängern, zulasten unseres Bolivientrips. Jetzt bauen wir den Hotelinternetanschluss auseinander und laden euch die Berichte hoch.

Von Iquique in die Atacama
Von Iquique in die Atacama 
Salpetermine Humberstone
Salpetermine Humberstone 
Iquique

6. Januar 2007 | Tag 13

Entwarnung an alle, die sich (zurecht) Sorgen um uns machen: wir sind wohlbehalten in Iquique gelandet, einem Ferienort im Norden von Chile, mitten in der Wüste und doch am Pazifik. Wir haben ein Traditionshotel direkt an der Plaza bezogen, das sich Torsten aus seinem Reiseführer ausgesucht hat. Es heißt ARTURO PRAT und ist ein wenig „tatty“, wie das South American Handbook“ schreiben würde, also ganz leicht schäbig. Und da sind wir Wüstenkrabbler ganz empfindlich. Das ist aber nicht wirklich schlimm; viel blöder ist, dass ausgerechnet heute auf der Plaza ein Fest der fremden Kulturen stattfindet, angelegentlich dessen junge Damen verschiedenster Nationen Lieder singen. Oder es zumindest versuchen. Auch das wäre noch zu verschmerzen, hätte nicht "Municipalidad Iquique" heute irgend eine nicht näher zu bestimmende Fußballmeisterschaft gewonnen, was wiederum die Fans hupend auf die Straßen treibt (vorzugsweise um die Plaza). Denn eigentlich wollten wir uns mal ausschlafen.

Den angekündigten Plan haben wir konsequent umgesetzt und ich will euch das in ein paar Bilderchen zeigen. Die Gelegenheit ist grad gut – das angewanzte Hotel hat ein Wireless Lan, das in Chile WiFi heißt.

 

Das war heute: die Geysire des Tatio. Liegen auf 4300m und sollen bei Sonnenaufgang am schönsten sprudeln. Das hieß: 4 Uhr aufstehen, um 4.30 Uhr in einen Mercedes Sprinter steigen und 2 Stunden durch die Nacht fahren, auf unbefestigten Straßen, die man treffenderweise auch Waschbrettpisten nennt. Natürlich muss man das ganze auch wieder zurück. Aber es hat sich gelohnt, auch wenn ich wieder mal leicht höhenkrank war.

Zurück waren wir um 12, weiter gings 500km durch die Pampa de Tamarugal nach Iquique und Torsten ist dankenswerterweise die komplette Strecke gefahren, denn ich war komplett platt. Dafür habe ich zwei sensationelle Wüsten-Raststättentoiletten aufgesucht. Tipp: Sonnenbrille vorher absetzen, und Wasser aus dem Fass schöpfen.

Und hier die Bilder von gestern.

 

Die Flamingos im Salar de Atacama waren grad in Urlaub oder auf der Post - ich weiß es nicht. Jedenfalls haben wir nur ein paar gesehen. Gelohnt hat sich aber auch dieser Dreistundenausflug am Freitagmorgen.

 

Ganz tolle Sachen hat die Kupfermine Chuquicamata aufzuweisen. Z.B. das größte von Menschenhand gebuddelte Loch, das 4,3 km lang, 3 km breit und auch noch 1 km tief ist. Ich stehe hier neben einem der Trucks, die den Abraum nach oben bringen, wenn sie nicht gerade neben mir posieren. Leider leider durften wir nicht in die Verarbeitungshallen hinein (wie ich vor 15 Jahren), sodass wir uns schon gefragt haben, ob sich dafür die 100 km Anreise (und auch Rückreise) gelohnt haben. Auf dem Rückweg sind wir mit dem Wagen dann auch noch in einer Art Parkplatz im Sand stecken geblieben und mussten uns mit fremder Hilfe herausziehen lassen.

 

Da wir bei unseren Auto-Ausgrabungsversuchen so eingedreckt und eingestaubt wurden, beschlossen wir, doch noch ins Valle de Luna zu fahren und uns die Wüste bei Sonnenuntergang anzusehen. Diese Idee hatten ungefähr 100 andere Menschen auch und wir waren dann doch froh, dass wir am Tag zuvor die Düne ganz für uns alleine hatten, trotz Mittagshitze. Tourist hin, Esel her.

 

Da zwischen Flamingos und Kupfermine noch ein Dreiviertelstündchen Platz war, eilte ich alleine noch ins örtliche Museum, in dem die Besiedlung der Atacamawüste vorgestellt wird. U.A. gibt auch sehr schöne Mumien zu sehen und die will ich auch euch nicht vorenthalten.

Für heute reichts, Torsten sägt schon, die Vertreter der fremden Kulturen singen noch und die Minibar brummt. Auf bald aus Arica.

Und noch was: unser Wagen hat selbstverständlich eine Klimaanlage.

Hitze
Das Valle de Luna
Das Valle de Luna 

4. Januar 2007 Tag 11

Die Ueberschrift haette auch heissen koennen: Staub oder Sonne. Oder Scheisse. Denn wieder einmal sind unsere Plaene durcheinandergewuerfelt. Der geplante Minenbesuch liess sich heute nicht machen, so dass wir erstmal nach San Pedro de Atacama weitergefahren sind. Das sind 100 km durch die Atacama und wir haben uns einen Abstecher ins Valle de Luna geleistet mit Besteigung einer Duene, allerdings bei prallster Mittagshitze und nicht wie die Massen jetzt gleich bei Vollmond. Was sehr schoen sein soll. Wir sind aber platt von zuviel Sonne, haben aber wenigstens ein tolles Hotel mit Einzelapartements angelehnt an die tradtionelle Bauweise. Aber es ist halt San Pedro d. A. und da gibt es keine geteerten Strassen, nur Staub und niedrige Adobehaeuser. Und Staub und Staub und Wind.

Der neue Plan sieht vor (und das ist ein Moerderprogramm): morgen frueh in den Salar de Atacama, Flamingos angucken. Um 12 Uhr die 100km zurueck nach Calama, die Mine anschaun, dann wieder nach San Pedro. Am Samstag dann um 3.30 Uhr aufstehen und um 4.30 Uhr Aufruch zu den Geysiren des Tatio. Um 12 sind wir wieder zurueck und fahren weiter nach Iquique (ca. 500km). Dr Axel: irgendwelche Bedenken?

Totti hat sich vorgenommen, in Chile den Begriff "Tip Top" einzufuehren. Soll ich ihn daran hindern?

Bevor Ihr mich uebrigens wegen der Hitze beneidet: wir sind hier auf 2300m, die Geysire liegen auf 4300, da wirds nachts richtig kalt.

Bis bald, hoffentlich wieder mit Bildern.

Wüste
 

3. Januar | Tag 10

Volles Programm heute: um 6 Uhr aufstehen, um 6.45 Uhr zum Flughafen Santiago, um 8.20 mit LAN Chile nach Antofagasta. Dort haben wir unseren auberginefarbenen TOYOTA HiLux 2,7 Liter übernommen. Bevor wir aber in die Wüste losgedüst sind, habe ich Torsten noch in die Markthallen geschleppt, wo er seine erste Casuela de Ave essen durfte, eine leckere Hühnersuppe mit Mais und Kartoffel.

Dannach holperten wir durch Antofagasta die Hügel hoch der Wüste entgegen. Holpern deshalb, weil wir absolut nicht wissen, wer warum wann Vorfahrt hat und wir uns am besten hinter einen Bus hängen und dem hinterherfahren. Raus aus der Stadt ist es dann supereasy, weil es immer geradeaus geht.

Und dann die WÜSTE. Das werden wir die nächste Woche dauernd haben. Kann man nicht beschreiben. Hitze, Wind und manchmal Stille, Trucks und Güterzüge in der Wüste. Und dann noch die Höhe. In zwei Stunden von 0 auf 2.200 Meter. Erstmal Kaffee trinken. Und jetzt in den Pool.

Cazuela mit Totti
Cazuela mit Totti 
Tottis Toyota und meiner auch
Tottis Toyota und meiner auch 
Halbzeit

3. Januar 2007 -583 Tage

Soviel Zeit muss sein: heute sind es noch 583 Tage bis Beijing, das Olympiatagebuch startete bei -1165. Was das heisst, steht oben.

Noch keine Halbzeit ist hier, aber das Ende der Familienferien. Heute gehts in Norden und niemand kann uns mehr helfen.


Pazifik

2. Januar 2007 | Tag 9

Unser Aufenthalt in Valparaiso neigt sich dem Ende zu: heute um 17 Uhr geht der Bus nach Santiago, wo wir noch eine Nacht bei Gimi und Maria Isabel verbringen werden, bevor wir am Mittwoch früh den Flieger nach Antofagasta besteigen.

An Silvester wollten wir eigentlich nach Con Con fahren um dort Helens Schwester zu besuchen (und vielleicht auch um im Pazifik zu baden), aber der Nebel in der Bucht von Valparaiso hielt sich hartnäckig. Außerdem war in allen Orten nördlich von hier die Hölle los, denn geschätzt eine Million Besucher wurden zum Feuerwerk in der Bucht erwartet, weshalb wir (berechtigte - wie sich gestern zeigte!) Sorge um eine rechtzeitige Rückkehr hatten.

Cerro Allegre
Cerro Allegre 

Also wieder Plan ändern und nochmal etwas bummeln in der Stadt, alte Häuser anschauen und so. Es gibt hier wirklich viele tolle Stellen und seit Valparaisos Altstadt (eine neue Stadt gibt allerdings nicht) zum Weltkulturerbe ernannt wurde, wird hier auch mächtig restauriert. Torstens und meine Pläne, hier eine Villa zu kaufen sind schon ziemlich weit vorangeschritten.

Am Abend gabs einen Truthahn, den ich am Mittag noch mit Helens Papa zusammen zu einer Pizzeria getragen hatte, wo er den Nachmittag im Ofen verbrachte. Zum Essen und feiern traf sich ein Großteil der Familie. Leider kann ich euch keine so tollen Bilder liefern, aber vielleicht könnt ihr doch was erkennen.

Mama Laurita in der Küche
Mama Laurita in der Küche 
Die Gäste fehlen noch
Die Gäste fehlen noch 

Um das schon angesprochene Feuerwerk anzuschauen sind wir um 11 Uhr die Hügel ein Stück runtergefahren, und haben uns einen gegeigneten Platz gesucht, der dann eine Straßenkreuzung war, die sich bis Mitternacht ziemlich bevölkerte. Bevölkern heißt in Chile nicht nur Menschen und Autos, nein, auch Klapptische inklusive Tischdecken, Hocker und Zutaten für diverse Silvesterbräuche. Das Feuerwerk beginnt übrigens immer 3 Minuten nach Mitternacht, damit man sich vorher Glück wünschen und mit Zucker gesüßtem Sekt anstoßen kann.

So kalt ist das Wasser
So kalt ist das Wasser 

An Neujahr dann endlich unser verschobener Besuch in Con Con bei Helens Schwester und deren drei Töchter. Im dorthin zu kommen fährt man mit dem Bus hauptsächlich die Küste entlang nach Norden durch die Ferienorte Vina del Mar und Renaca. Das sind ungefähr 45 km und dauert ca. 1 Stunde.

Der Lohn für diese Fahrt war Torstens erster Fußkontakt mit dem 12 Grad warmen Pazifik, der Preis dafür verbrannte Arme. Die Verständigung in Lauras Familie geht sehr gut, da die Töchter Englisch sprechen. Macarena z.B. hat gerade die St. Margarets British School for Girls abgeschlossen, wo sie – und das kann man in einem Olympiatagebuch durchaus mal erwähnen – Volleyball, Hockey und Leichtathletik ausübte.

Der Rückweg am Abend (bei 12 Grad – wenigstens über 0 – und wir mit Badelatschen und kurzen Hosen) dauerte dann übrigens über zwei Stunden, die meiste Zeit davon in einem unbeschreiblich engen, langsamen und lauten Bus.

Und das haben wir auch noch für unsere Nordhalbkugel-Südhalbkugelsammlung entdeckt:
Hier ist man die Suppe nach dem Hauptgericht, man dreht den Schlüssel nach links, wenn man abschließen will und die Taxis stellen sich nicht hinten in der Reihe an, sondern vorne.

Ihr müsst übrigens nicht alles glauben, aber wir haben das auf jeden Fall so erlebt. Ehrenwort.

Mehr Bilder gibts auf betterchile.com. Bis bald, dann aus dem Norden.

Cerros
Schön siehts aus
Schön siehts aus 

30. Dezember 2006 | Tag 6

Cerro heißt Hügel, Valparaiso hat über 40 davon und es ist erste Touristenpflicht, diese Hügel - am besten mit den Acensores - zu besteigen, bzw. zu befahren. Einen der schönsten Ausblicke hat man vom Cerro Artilleria direkt über dem Hafen. Und weil das so ist, treffen sich hier alle Touristen, davon auch jede Menge Deutsche.

Auch wir starten hier unseren Rundgang, der uns dann weiter zum Hafen führt (inklusive Hafenrundfahrt), sodann zu einem typischen Fischrestaurant, wo wir Machas a la Parmesan essen und weiter in die Gassen der Innenstadt.

Hier geht alles andersrum
Hier geht alles andersrum 

Und jetzt die Geschichte zum Tag: auf der Südhalbkugel ist alles genau anders, als bei uns im Norden. Hier ist Sommer, wenn in Deutschland Winter ist, die Sonnenbahn geht in die andere Richtung und die Mondsichel ist andersrum. Das ist das, was jeder weiß. Dass der Südamerikaner tagsüber schläft und nachts aktiv ist, davon habt ihr vielleicht auch schon gehört. Wusstet Ihr aber auch, dass die Ampelmännchen in die andere Richtung gehen? Dass bei Paaren der Mann rechts von der Frau läuft und dass man auch zuerst dem Mann die Hand gibt? Dass Lokale Schilder draußen haben, auf denen steht „Raucher erwünscht“?

Abends sind wir zu sechst noch ein wenig in der Stadt unterwegs und landen gegen Mitternacht beim großen Carneval-Abschlusskonzert auf irgendeiner Plaza. Die vielleicht 10000 Zuschauer sind alle komplett breit, sei es von Alkohol oder Gras oder von beidem und auf der Bühne tobt James Brown, der gar nicht tot ist, sondern hier seinen Lebensabend verbringt. Er macht jetzt Latino-Pop. Unser Versuch, anschließend noch Bier zu trinken scheitert daran, dass alle Kneipen entweder bumsvoll sind (in vielen Lokalen spielen Salsa-Bands), oder kein Bier mehr haben, oder uns nicht gefallen. Vielleicht besser so, denn inzwischen ist es 2 Uhr morgens und Silvester steht noch bevor.

Ihr Lieben, ich wünsche euch ein gutes Neues Jahr, viel Glück, Gesundheit und Erfolg. Bei euch ist es ja fast schon soweit. Torsten und ich gehen heute noch baden, zumindest, wenn das Wasser nicht zu kalt ist.

Mehr Bilder auf Torstens Website

Valparaiso

29. Dezember 2006 | Tag 5

Erste Änderung des Plans: wir buchen einen LAN Chile-Flug nach Antofagasta anstelle der geplanten Busfahrt. Wir bleiben bis 2. Januar in Valparaiso und fliegen am 3. morgens. Das macht ca. 200 EUR zusätzlich, spart aber eine Übernachtung.

Auf der Fahrt nach Valparaiso machen wir Halt beim Weingut Veramonte und machen eine Miniführung inkl. Miniverkostung. Es ist sackheiß. gegen 18 Uhr sind wir dann endlich bei Helen und ihrer Familie. Bevor wir uns vors Haus hocken und erzählen, kramen wir ein paar Stecker zusammen, hängen das Laptop an ein Mördermoden und - wider jede Erwartung - haben wir eine superschnelle Verbindung. Überhaupt haben die Kiddies hier sowieso jedes Handy und MP3-Player und kennen sich mit allen Schnittstellen bestens aus. Jedenfalls ist das Tagebuch für die nächsten drei Tage sichergestellt. Bei Google Earth zeigen wir noch unsere Wohnungen in Mannheim und ich stelle fest, dass mein Auto NICHT vor der Tür steht.

 
Guillermo Senior und Junior
Guillermo Senior und Junior 
Fleisch

28. Dezember 2006 Tag 4

Zum Fruehstueck gibts kein Fleisch. Aber sonst eigentlich immer. In Chile fast noch offensiver als in Argentinien: churrasco italiano, churrasco completo oder asada. Asado gabs heute abend: Gimi legt ein Riesenstueck feinstes Rindfleisch auf den Grill, vielleicht 2kg und das sollen wir dann zu fuenft essen. Das geht kaum, vor allem nicht, wenn ich vorher noch zwei der besten Wuerstel meines Lebens esse (Wieviel Üs die deutsche Sprache doch hat).

Heute waren wir in Santiago unterwegs. Mit dem Zug rein, weiter mit der Metro. Als erstes versuchen wir, ein Busticket von Valparaiso nach Antofagasta zu kriegen, fuer den ersten januar, aber weil das ein Feiertag ist, sind alle Busse ausgebucht. Jetzt versuchen wir, noch ein Flugticket zu erwischen.

Und das haben wir in Santiago gesehen und erlebt: ein Adolf Hitler-Double vor einem Stehcafe, in dem die Bedienungen in hautenge grasgruene Minikleider eingeschweisst werden (ohne dass deren Figur es erlaubt haette). Dann haben wir die Getraenke Bilz und Pap probiert, die exakt so schmecken, wie sie heissen. Und schliesslich sind wir mit einer Zahnradbahn auf den Cerro S. Cristobal gefahren, um Santiago von oben zu betrachten.

In 20 Minuten (es ist schon Freitag, der 29.12.) fahren wir zusammen mit der Familie Sandoval Bazaes nach Valparaiso.

Cafe Haiti
Cafe Haiti 
Schmeckt wie es heißt
Schmeckt wie es heißt 
Totti

27. Dezember 2006 Tag 3

Torsten heisst jetzt Totti und das Z auf der Tastatur liegt links unten. Also sind wir jetzt in Chile, nach einem ruhigen und entspannten Flug von gut zwei Stunden (lag aber auch daran, dass der Flieger fast leer war). Gimi, Maria Isábel, Sohn Ignacio und Tochter Flo(rencia)holten uns ab und haetten vor Freude fast die Scheibe an der Flughafenankunft eingedrueckt. Mit einem Umweg durch einen Super-Supermarkt gings anschliessend zur Wohnung, wo wir zuviel Wein und Pisco Sour tranken und ich meine Geschenke an die Freunde bringen konnte. Man weiss ja vorher nie, aber der Fussball fuer die Kiddies war ein Volltreffer und es ist immer wieder toll, wie gut man sich ueberall auf der Welt ueber und mit Fussball verstaendigen kann. Es ist ja auch so, dass man in Buenos Aires die Original WM-Deutschlandtrikots und Caps kaufen kann - selbstredend billiger als bei uns und definitiv KEINE Raubkopien.

Jetzt fahren wir von San Bernardo mit dem Zug 18 km ins Zentrum und versuchen dort, Geld zu wechseln, Bustickets zu kaufen und dann schau mer mal.

Denkmäler

26. Dezember 2006 | Tag 2

Zum Glück hat der dienstbare Alfredo irgend einen verborgenen Stecker eingesteckt und somit unseren Internetzugang wiederbelebt. Überhaupt sind alle Portenos (wie wir Insider hier die Buenos Aireser nennen) sehr nett und hilfsbereit und sprechen deutlich besser Englisch als das Iberia Personal.

Der Pool: hat schon was, im 22. Stock in der Sonne zu liegen und da macht es auch nix, dass im Wasser merkwürdige Kleinteile schweben. Über kurz oder lang müssen wir uns ja doch abhärten.

Heute haben wir uns zu Fuß aufgemacht, die Stadt zu erkunden und sind in einem teureren Viertel (Recoleta) gelandet. Auf dem Weg dahin haben wir überlegt, ob wir nicht eine Serie "bescheuerte Denkmäler" in Südamerika fotografieren sollen, aber da alle Denkmäler in Südamerika bescheuert sind, hätten wir nichts anderes zu tun.

Am Abend wollte Torsten unbedingt ans Wasser, weil er eine Calatrava-Hängebrücke anschauen wollte (das ist der, der das Olympiastadion in Athen gebaut hat). Auf dem Weg zum Wasser haben wir gesehen: 1. Tangotänzer auf der Straße und 2. Abfallsammler, auch auf der Straße. Alles genauso, wie im Reiseführer beschrieben. Beruhigend. Das mit dem Tango ist schon nicht schlecht und ich werde euch das am Schluss unserer Reise zeigen.

Ich schreibe dies am 27. Dezember und wir müssen hier 13.30 Uhr raus. Der Flieger nach Santiago geht um 18.05 Uhr. Im Sonnenuntergang über die Anden!!

Pool mit Aussicht
Pool mit Aussicht 
San Martin weiß, wo es langgeht
San Martin weiß, wo es langgeht 
Buenos Aires

25. Dezember 2006 | Tag 1

Avenida 9 de Julio
Avenida 9 de Julio 
Nix los im Parkhaus
Nix los im Parkhaus 

Hatte es mir schon gedacht: so voll und eng der Iberia-Flieger war, so leer und ausgestorben liegt Buenos Aires in der milden Weihnachtssonne. Die Avenida 9 de Julio wird in jedem ernstzunehmenden Reiseführer als Albtraum für Fußgänger bezeichnet. Und jetzt? Stellen sich die Touristen auf die Zebrastreifen und fotografieren den fußballfeldbreiten Fahrbahnstreifen.

Unser Hotel hat 22 Stockwerke. Im 15. wohnen wir. Das ist gut, weil der 15. Stock schon über den Nachbargebäuden ist und wir so was ähnliches wie eine Aussicht genießen können. Noch besser ist der 22. Stock, denn der beherbergt das Schwimmbad. Das ist cool, ja dekadent. Also genau richtig für mich.

Sensationell
Sensationell 

Buenos Aires ist ein wenig angeschmuddelt, vielleicht ein wenig wie Paris, eher wie Athen. Und des gibt hier sensationelle Zuckerbäckerbauten, teilweise schönster Jugendstil, leider oft verfallen und leer. Ein Bildchen habe ich hier beigefügt.

Was noch? Die berühmte Plaza del Mayo ist ziemlich scheiße, unser Friedrichsplatz mit Wasserturm bringts entschieden mehr. Das heimische Quilmes-Bier schmeckt manchmal sehr schön nach Hefe, manchmal aber auch nicht. Ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen? In den Restaurants wird nicht geraucht sondern man geht vor die Tür. Warum stinken meine Klamotten (die idealerweise vier Wochen halten sollen) trotzdem? Weil im Lokal ein RIESENHOLZKOHLENGRILL installiert ist, auf dem die größten Rind- und Lammfleischbatzen zubereitet werden.

Kollegen Torsten Better betreibt übrigens eine eigene Reisewebsite. Dort findet ihr nebst einem alternativen Kurzbericht weitere Fotos.
www.betterchile.com

Tango

24. Dezember 2006 | -6 Stunden

Die Rucksäcke sind gepackt und verzurrt, alle Papiere verstaut, die Akkus voll geladen, alle Termine doppelt gecheckt. Und vor allem: alle Geschenke gekauft, für ungefähr genau 15 Menschen, große und kleine. Ein Geschenk ist die wunderschöne CD „Tangos“ von Laurent Leroi und meines Freundes Michel Herzer, die ich durch Buenos Aires tragen und damit veredeln werde. Das ist das Werk auch unbedingt wert und solltet ihr beim schenken jemand vergessen haben, dann könnt ihr mit TANGOS alles wieder gut machen.

Ich wünsche euch allen eine schöne, gemütliche Weihnachtszeit (es laufen im Fernseh eine Menge wirklich toller Filme: Whale Rider, Das Mädchen mit dem Perlenohrring, Tatsächlich Liebe ...) und einen guten Rutsch ins neue Jahr. Bis die Tage aus Buenos Aires.

Geschafft

22. Dezember 2006 | -2 Tage

Das wars. Gleich werde ich die Bürotür hinter mir zuschließen und dann geht der Blick nur noch nach vorne. Die letzten Rechnungen des Jahres sind geschrieben (und auch bezahlt), die Jobs soweit geregelt. Das Jahr war gar nicht so schlecht, das ist gut, denn der Januar, in dem ich kaum arbeiten werde, muss finanziell aufgefangen werden.

London Heathrow steckt im Nebel. Zum Glück fliegen wir über Madrid. So zahlt sich doch noch aus, dass ich nicht mit einer amerikanischen Airline fliegen wollte wie noch vor ein paar Jahren. Denn da ging's über - yes, Heathrow.

Und zum Abschluss noch eine kleine Geschichte aus Beijing: unsere Freunde dort haben sich daran gemacht, alle Gerichte und Getränke mit einheitlichen englischen Bezeichnungen zu versehen, die so dann in allen Pekinger Speisekarten auftauchen werden. Es gibt auch eine Website dazu, wo man sich das vorab anschauen kann. Da habe ich gesehen, dass es keinen deutschen Wein geben wird, wohl aber chilenischen. Als nächstes wird den Chinesen richtiges Englisch eingebläut werden, denn, so steht in der Pressemeldung, in der Vergangenheit seien Englischsprechende auch schon mal in den ”Racist Park" eingeladen worden, der - akkurater übersetzt – auch "Park der Ethnischen Minderheiten" heißen könnte. Aber ist das besser?.
Zur englischen Speisekarte (die Fragezeichen sind chinesische Schriftzeichen)

Vor allem: komm gesund wieder

21. Dezember 2006 | -3 Tage

Diesen Satz höre ich dieser Tage dauernd. Macht mir bloß keine Angst. Andererseits wären wir froh, wenn wir gesund WEGKOMMEN würden. Torsten musste heute bei Dr. Axel antreten, um sich nochmals komplett checken zu lassen, denn er fühlt sich nicht gut und schluckt alles, was in unserer Reiseapotheke ist. Und ich selbst musst Dr. A. einfliegen lassen, um eine unapetitliche Haarwurzelentzündung mittels scharfer Gegenstände behandeln zu lassen.

Ein kleines Problem taucht auf. Im Bus, der uns am 1. Januar abends nach Antofagasta bringen soll, sind nur noch 20 Plätze frei und Helen hat keine 100 Dollar, um die Tickets zu kaufen. Aber jetzt Geld schicken oder überweisen macht auch keinen Sinn.


Gimi
Die Sandoval Bazaes
Die Sandoval Bazaes 

19. Dezember 2006 | -5 Tage

Unsere erste Station in Chile wird Santiago sein. Dort treffen wir Gimi, seine Frau Maria Isabél und vier Kinder, deren Namen ich nachreichen muss. „Gimi“ kommt von „Guillermo“ und das ist auch der Name seines Vaters. Da ich Santiago immer nur ganz kurz besucht habe, freue ich mich auf eine exklusive Führung, die Gimi mir versprochen hat.

Ich packe meinen Koffer

17. Dezember 2006 | -7 Tage

und in den Koffer - oder besser Rucksack - sollen eine Menge Geschenke. Nun reise ich diesmal mit Rucksack (und nicht wie sonst mit meinem roten Samsonite Oyster), andererseits ist meine chilenische Familie in den letzten Jahren ganz schön angewachsen. Und weil meine Patenkinder auch noch Geschenke bekommen sollen, habe ich ein echtes Planungs- und Platzproblem. Ich will jetzt natürlich nicht verraten, was ich einpacken werde, denn meine chilenischen Freunde kennen diese Website auch, aber Rafael in Bolivien wird schon mal einen Volleyball bekommen - ohne Luft versteht sich. Die gibts vor Ort.

Am Samstag habe ich mir meinen Expeditionshaarschnitt machen lassen. 6 mm rundum. Meine Friseurin heißt Jenny und sie hat ein Rasiermesser in der Tasche, mit der sie ganz am Schluss noch einmal die letzten Feinheiten erledigt. Sagenhaft.

Medizinische Abteilung
Dr Axel, unser Expeditionsarzt
Dr Axel, unser Expeditionsarzt 

16. Dezember 2006 | -8 Tage

Willkommen beim Reisetagebuch Südamerika, das zur Untermiete im Olympiatagebuch wohnt und euch die nächsten 5 Wochen den dunklen deutschen Winter erhellen und wärmen soll.

Bericht 1 stellt euch den Kopf unserer medizinischen Abteilung vor. Es ist dies Dr. Axel, der mich schon 2004 in Athen geimpft, ausgestattet und aus der Ferne überwacht hat.
Ihr seht hier Dr. Axel mit einem Füllhorn der besten Produkte, die die deutsche Pharmaindustrie zu bieten hat. Alleine drei Präparate gegen Durchfall, das beste gegen Malaria, Höhenkrankheit, Infektionen und - Spritzen gegen Thrombosen, wie sie bei langen Flügen auftreten können. Ich werde darauf verzichten.

Tatsächlich muss man sich gegen Gelbfieber impfen, will man nach Bolivien. Und da wir uns auf Höhen bis 4500m bewegen werden wir mit Höhenkrankheit zu kämpfen haben. Ich kenne das schon und habe mächtig Respekt davor. Zum Glück bin ich aber auf meinen bisherigen 4 Reisen nach Chile - bis auf schwere Erkältungen - nie ernsthaft krank geworden.

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